Vita-Interview

Seit wann sind Sie Projekt- und Eventmanagerin, Brigitte Rottberg?

Selbstständige Projektmanagerin im Projekt- und Eventmanagement sowie Coach und Organisationsberaterin bin ich seit dem Jahr 2000 bzw. 2010. Doch schon zuvor war ich in dem Bereich aktiv – seit 1999 als Projektleiterin bei Mediavent, einer Agentur für PR, Event-Marketing und Business-TV in Hamburg, und davor sechs Jahre lang beim Deutschen Turner-Bund, wo ich unter anderem als Abteilungsleiterin das Rahmenprogramm für das Deutsche Turnfest 1998 in München organisiert habe.

Sie sind also schon lange im Geschäft. Hat sich die Branche in den letzten 20 Jahren verändert?

Was immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist das Thema Sicherheit. Nicht erst seit den Ereignissen von Duisburg 2010, aber danach umso mehr. Mein erstes Projekt, bei dem ein Sicherheitskonzept zentraler Bestandteil war, war der Papstbesuch 2011 in Erfurt. Seitdem habe ich dieses Thema zu einem meiner Spezialgebiete gemacht und mich auch entsprechend weiterqualifiziert. So habe ich 2012 in Bonn das „Professional Certificate in Event Safety & Security Management“ erworben und 2014 die interdisziplinäre Grundlagenausbildung „BaSiGo – Bausteine für die Sicherheit von Groß-veranstaltungen“ absolviert. In 2016 gehörte beispielsweise zum Rheinland-Pfalz-Tag in Alzey oder in 2017 zum Schiffskorso des Koblenzer Rhein in Flammen selbstverständlich auch das Sicherheitskonzept dazu. Der Sicherheitsstab zum Tag der Deutschen Einheit im Mainzer Herbst 2017 war im Hinblick auf die integrierten Sicherheitsanforderungen das Komplexeste, was ich bis dahin erlebt habe.

Nach den Ereignissen der Anschläge von Paris und der LKW-Katastrophe beim Berliner Weihnachtsmarkt 2016 ist unsere Arbeit noch aktueller denn je. Als Expertin war ich auf einmal gefragter Interviewgast im Hörfunk und Fernsehen. Und es war und ist mir ein echtes Anliegen, mehr zum Wissen über unsere Tätigkeit beizutragen.

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Was in Ihrer Biografie immer wieder auftaucht, ist das Thema Sport. Zufall oder Bestimmung?

Sport gehört für mich einfach dazu! Ich habe an der Deutschen Sporthochschule Köln studiert, war Skilehrerin im Pfälzer Ski-Verband, habe für Blau-Weiß Köln in der Hockey-Bundesliga gespielt und den Nachwuchs trainiert, spiele leidenschaftlich gerne Golf – Sport zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Auch bei meiner Arbeit – zunächst im Deutschen Turner-Bund und später im Zusammenhang mit den Fußball-Weltmeisterschaften …

Sie haben für die FIFA Fußball-WM 2006 den Fachbereich Logistik im WM-Büro Ihrer Heimatstadt Kaiserslautern geleitet. Das war jedoch längst nicht ihr letztes großes Turnier …

Das stimmt – ich hatte auch internationale Beratungseinsätze im Umfeld der Weltmeisterschaften in Südafrika 2010 und Brasilien 2014, außerdem bei der Europameisterschaft 2008 für den österreichischen Austragungsort Klagenfurt und in Basel für die schweizerischen Fanprojekte. Die Aufgabe als Host City Advisor hat mir großen Spaß gemacht – es ging darum, Erfahrungen an künftige Austragungsorte weiterzugeben. Initiiert wurden diese Host City Programme übrigens von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW/Engagement Global gGmbH – Service für Entwicklungsinitiativen) bzw. der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) im Auftrag des Bundesministeriums für Zusammenarbeit und Entwicklung.

Wissen weiterzugeben, ist das auch Ihre Motivation als Dozentin bzw. Referentin?

Absolut – tief in mir drin schlummert noch immer die leidenschaftliche Pädagogin, schließlich bin ich ausgebildete Lehrerin. Es ist mir deshalb immer ein Anliegen, andere an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen. Die Vorträge, Seminare und Workshops zu Veranstaltungsorganisation und Veranstaltungssicherheit sind daher echte Herzensprojekte von mir.

Zudem sind Sie ausgebildeter Coach. Bei welchen Projekten profitieren Sie von dieser Zusatzqualifikation?

Im Grunde bei allen Projekten – auch wenn ich Veranstaltungen plane und Sicherheitskonzepte erstelle. Sehr häufig agiere ich als Schnittstelle zwischen allen Beteiligten und sorge für sachliche, funktionierende Kommunikation. Dabei hilft mir natürlich die Ausbildung als Coach sehr – seit 2004 habe ich mich in diesem Bereich permanent fortgebildet, von der Practitioner-Ausbildung in Neurolinguistischem Programmieren bis hin zur Grund- und Fortgeschrittenen-Ausbildung in Systemischer Transaktionsanalyse. Die Fähigkeiten und Techniken, die ich dabei gelernt habe, bewähren sich nicht zuletzt auch bei Bürgerbeteiligungsprozessen. Dabei kann ich mehrere Rollen übernehmen: als Planerin und Organisatorin, aber auch als Moderatorin und Konfliktmanagerin.

Ihr Job ist nicht nur von der Aufgabenstellung her vielseitig, sondern auch von den Einsatzorten her, denn Sie arbeiten für Auftraggeber in der Pfalz, in Deutschland und der ganzen Welt. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Wenn man nicht nur Projekte in Kaiserslautern, Hamburg und Berlin hat, sondern auch in Manaus, Johannesburg und Peking, braucht man natürlich ein gutes Zeitmanagement – beruflich wie privat. Ich bin dank jahrelanger Erfahrung sehr flexibel und effizient und begegne Unbekanntem mit Offenheit und Freude, auch wenn manchmal die Angst vor der eigenen Courage mitreist. Was mich motiviert, ist meine große Neugierde auf fremde Kulturen und andere Arbeitsweisen. Durch die intensiven interkulturellen Trainings im Vorfeld der Auslandseinsätze übt man, den Partnern weltweit auf Augenhöhe zu begegnen und die kulturellen Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten wertzuschätzen. Man lernt auf Reisen immer dazu und entfaltet sich weiter! Für mich eine Chance als auch Herausforderung für meine eigene Entwicklung.